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Schutz des Waldes hat Vorrang

Der FDP Landtagsbgeordnete Frank Sürmann und Waldbesitzerpräsident Michael Freiherr von der Tann sind sich einig: Illegale angelegte trails schaden dem Image der Mountainbiker, dem Wald und müssen unterbunden werden. Foto CR

 

fester Weg oder illegaler trail? Das weiß nur, wer ihn angelegt hat!

Der Hessische Waldbesitzerverband und die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald sprechen sich für klare Regelungen zum Betreten des Waldes aus.

Der Hessische Waldbesitzerverband und die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) fordern die Hessische Landesregierung auf, an der Regelung zum Betreten des Waldes im Entwurf des Waldgesetzes festzuhalten. Eine Klarstellung, was feste Wege sind, auf denen mit dem Fahrrad im Wald gefahren werden darf, ist unverzichtbar, um den Besucherverkehr im Wald wirksam lenken und entmischen zu können. Dies ist erforderlich, um den Wald vor Beeinträchtigungen durch fehlgeleitete Erholung besser zu schützen. Waldeigentümer sowie Forst- und Naturschutzbehörden brauchen eine bessere Handhabe, um den Wald vor schädlichen Auswirkungen mancher Waldnutzer besser zu schützen.

Das Problem ist erst in den vergangenen zehn Jahren entstanden. Das Hessische Forstgesetz erlaubt das Radfahren auf festen Wegen, läßt aber offen, was ein fester Weg ist. Inzwischen bestimmen Waldbesucher selbst, was ein fester Weg ist. Die Entwicklung ist massiv durch Mountainbiker verstärkt worden, die abseits der Wege Trails quer durch den Wald anlegen und damit auch für andere Waldnutzer den Verkehr öffnen. Nachfolgende Mountainbiker und andere Waldbesucher können nicht erkennen, dass solche trails illegal entstanden sind und halten sie für feste Wege. Diese Entwicklung findet überall im bergigen Gelände statt und nicht nur in den Naherholungsgebieten der  Ballungsräume.

Es kann nicht sein, dass Waldeigentümer und Behörden dann im Nachhinein erklären müssen, dass diese trails illegal sind. Sondern umgekehrt müssen die gesetzlichen Voraussetzungen so gestaltet sein, dass für das Radfahren abseits fester breiter Wege ein Streckennetz von trails ausgewiesen wird. Damit ist klar, dass Mountainbiking im Wald abseits breiter fester Wege nur auf ausgewiesenen Strecken erlaubt ist und alle die sich zu Fuß im Wald erholen wollen auf schmalen Trampelpfaden vor gefährlichen Begegnungen mit Mountainbikern geschützt werden.

Zugleich kann das Mountainbiken so gelenkt werden, dass störungsempfindliche Tierarten, trittempfindliche Pflanzen und sensible Lebensräume geschützt werden. Der Gesetzentwurf der Landesregierung für ein neues Waldgesetz klärt die Rechtslage. Diese Klarstellung wurde durch die technische Entwicklung des Mountainbikes und die damit veränderte Verhaltensweise der Menschen notwendig. Die neuesten Entwicklungen des e-Bikes lassen schon jetzt erkennen, dass die Konflikte zwischen Radfahrern, anderen Erholungssuchenden, der Forstwirtschaft, der Jagd und dem Naturschutz weiter zunehmen und sich noch verschärfen werden. Denn elektrisch betriebene Mountainbikes ermöglichen es auch wenig trainierten Radfahrern, auf steile Berge zu fahren. Die Zahl der Mountainbiker, die in der spannenden Abfahrt den Nervenkitzel in anspruchsvollem Gelände suchen, wird kräftig zunehmen. 

Waldbesitzerverband und SDW fordern zudem eine konsequente Verfolgung und erheblich stärkere Ahndung von Verstößen.

Der Waldbesitzerverband und die SDW bedauern die emotionale Debatte um das Mountainbiken im Wald. Sie fordern die Deutsche Mountainbike Initiative auf, Mitglieder und Mountainbiker nicht weiter durch falsche Informationen und weit überzogene Darstellungen angeblicher Folgen des Gesetzentwurfs der Landesregierung aufzubringen. Wer den Mountainbikern einredet, der Gesetzentwurf bedeute das Ende des Mountainbikesports im Wald‘, schafft eine emotional aufgeladene Situation, in der eine konstruktive Auseinandersetzung mit dem Problem kaum noch möglich ist. Mit der angezettelten „Wutbiker-Kampagne“  demonstriert die Deutsche Mountainbike initiative nicht nur unsportliches Verhalten, sondern nimmt dabei in Kauf, dass Mountainbiker Rechte anderer geradezu sprichwörtlich über den Haufen fahren.

Das heute vorliegende Problem ist vielschichtig und hat eine Entstehungsgeschichte.

  • Vollzugsdefizit: Die bestehenden gesetzlichen Regelungen wurden von den zuständigen Behörden nicht konsequent durchgesetzt und Verstöße nicht oder nur unzureichend geahndet. Damit bleiben viele Mountainbiker in dem Glauben, das Radfahren abseits der Wege sei gar nicht so schlimm. Welche Störungen und Folgen für den Wald von diesem Verhalten ausgehen, können Mountainbikern gar nicht wahrnehmen, weil sie viel zu schnell unterwegs sind, um flüchtende Tiere, empfindliche Bodenvegetation oder geschützte Arten und Lebensräume selbst zu erkennen.
  • In manchen Regionen wurde es versäumt, auf die Bedürfnisse verschiedener Freizeitsportarten angemessen einzugehen und Angebote zu schaffen. So ist zum Beispiel gerade im Hochtaunuskreis der Bedarf einer ausgewiesenen Downhillstrecke vom Verein „Wheels over Frankfurt“ immer wieder vorgetragen und die Einrichtung einer solchen Strecke vom Forstamt Königstein und mehreren Kommunen befürwortet worden. Doch der Landkreis Hochtaunus und das Regierungspräsidium in Darmstadt schaffen seit mehreren Jahren nicht die Voraussetzungen für diese Strecke.  Dies hatte zur Folge, dass sogar Naturschutzgebiete wie der Altkönig oder das Reichenbachtal bei Königstein massiv geschädigt worden sind. Die Behörden haben diesem Treiben tatenlos zugesehen.
  • Früher war es möglich, mit dem „Drahtesel“ auf den geschotterten Wegen und erdfesten Wanderwegen im Wald zu radeln. Konflikte mit anderen Waldbesuchern waren selten, das Fahren abseits fester Wege war nicht möglich. Eine Definition, was ein fester Weg ist, auf dem mit dem Rad gefahren werden darf, war nicht erforderlich. Heute ermöglichen moderne High-techbikes das Fahren in schwierigstem Gelände. Auf festen Waldwegen können moderne Bikes und geübte Fahrer mit hohem Tempo fahren.

Die Politik sollte das Problem parteiübergreifend anerkennen und zu einer konstruktiven Lösung beitragen.

Veröffentlicht unter: Allgemein

Eine Antwort zu "Schutz des Waldes hat Vorrang"

  1. Als Rechtsreferent und Mitglied des Erweiterten Vorstands der Deutschen Initiative Mountain Bike e.V. (DIMB) muss ich Ihrer Darstellung, wir würden die Diskussion emotional führen und die Mountainbiker durch falsche Informationen und weit überzogene Darstellungen der drohenden Gesetzesänderung aufbringen. Sie schreiben selbst, dass heute Radfahrer alle festen Wege befahren dürfen, was im im Übrigen so auch durch das Bundeswaldgesetz geregelt ist. Wir haben die Mountainbiker sachlich und juristisch fundiert über den aktuellen Wortlaut der Regelungen im Hessischen Waldgesetz sowie in der 2. Durchführungsverordnung informiert und insbesondere auch deutlich dargelegt, was die deutschen Gerichte unter einem „festen Weg“ verstehen und dass nach dem Verständnis der deutschen Gerichte darunter auch schmale Wege zu verstehen sind. Mit dem Entwurf des Waldgesetzes soll jedoch dieses heute bestehende Recht zum Befahren schmaler Wege beseitigt werden. Sie selbst schreiben, dass zukünftig nur noch breite Wege befahren werden sollen. Das die DIMB und die Mountainbiker gegen eine solche Einschränkung Sturm laufen, sollte nicht verwundern, denn es geht hier um 75% des bestehenden Wegenetzes. Im Übrigen tragen wir sehr wohl zu einer sachlichen Diskussion bei. Wir haben umfangreiche Vorschläge zum Entwurf des Waldgesetzes eingereicht, die u. a. die Einführung des allgemeinen Rücksichtnahmegebots sowie des Gemeinverträglichkeitsprinzips zum Gegenstand haben. Wir haben auf unserer Homepage umfassend die verfügbare wissenschaftliche Literatur zum Mountainbiken und Naturschutz veröffentlich. Allerdings belegt gerade die wissenschaftliche Literatur, dass die hier gewollten Einschränkungen für Mountainbiker nicht zu begründen sind. Und wir fordern nicht, dass wir abseits von Wegen fahren dürfen, sondern wir fordern, dass alle Wege, auch alle schmalen Wege, weiter befahren werden dürfen, soweit dies umwelt- und sozialverträglich möglich ist. Und dieses Ziel ist nicht darüber zu erreichen, dass zunächst alle schmalen Wege für Mountainbiker pauschal landesweit verboten werden, denn das würde schlicht einen Verstoß gegen das verfassungsrechtliche Verhältnismäßigkeitsprinzip (Übermaßverbot) darstellen, ganz abgesehen davon, dass damit die Grundforderung des Bundesnaturschutzgesetzes, den Wald zur Erholung zugänglich zu halten, verletzt würde. Dass das Bundesnaturschutzgesetz auch die natur- und landschaftsverträgliche Sportausübung als Erholung ansieht, wird Ihnen sicherlich bekannt sein. Lesen Sie unsere DIMB Trail Rules und Sie werden feststellen, dass wir uns mit unseren Forderungen auf der Basis des geltenden Rechts, wie es u. a. im Bundesnaturschutzgesetz und im Bundeswaldgesetz verankert ist, bewegen und dass wir für eine rücksichtsvolle umwelt- und sozialverträgliche Ausübung unseres Sports stehen.

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