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Unterschiedliche Auffassungen über den Wald

Bei der Generalversammlung des Hessischen Waldbesitzerverbandes am 23. August im Kloster Arnsburg, Lich, wurden in der Podiumsdiskussion zwischen den Vertretern von CDU und FDP auf der einen Seite und vor allem der Grünen aber auch der SPD auf der anderen Seite große Unterschiede bezüglich der forst- und naturschutzpolitischen Ansichten und Vorhaben deutlich.

Die CDU baut auf die Eigenverantwortung der Waldbesitzer und Förster. Der Vertragsnaturschutz hat Vorrang vor ordnungsrechtlichen Maßnahmen. Bei der Finanzierung des Vertragsnaturschutzes durch die Stiftung Natura 2000 könne man durchaus aufstocken. Eine Zertifizierung nach FSC werde die CDU nicht mitmachen, weil diese

Dr. Walter Arnold, CDU: "Der Wald hat eine Gemeinwohlfunktion, aber es soll auch Geld verdient werden."

Dr. Walter Arnold, CDU: „Der Wald hat eine Gemeinwohlfunktion, aber es soll auch Geld verdient werden.“

Zertifizierung viele betriebswirtschaftliche Nachteile habe. Forstleute können die Waldpädagogik selbst durchführen und brauchen dazu keine Pädagogen. Waldbesitz bis 5 Hektar soll wie bisher von Hessenforst kostenlos mitbetreut werden. Die Forstämter und das Einheitsforstamt sollen erhalten werden. Zur Umsetzung der Biodiversitätsstrategie der Bundesregierung reichen die bislang im hessischen Staatswald stillgelegten 6 Prozent der Waldfläche aus. Auf den nicht bewirtschafteten Flächen dominiert in Hessen aufgrund der natürlichen Voraussetzungen die Buche, die Fichte, der Brotbaum der Forstbetriebe, werde zunehmend verdrängt.

 

Wir werden den Staatswald nach FSC zertifizieren.

Martina Feldmayer, B’90/Die Grünen: „Wir werden den Staatswald nach FSC zertifizieren.“

Die Grünen werden die FSC-Zertifizierung im Staatsforstbetrieb umsetzen, der jetzt PEFC-zertifiziert ist. FSC sei verbindlicher, und werde strenger geprüft. Der Verbraucher frage dies nach. Eine Zertifizierung des Staatswaldes nach FSC übe keinen Druck auf die Privatwaldbesitzer aus. Dies sei nur eine Entscheidungshilfe beim Kauf von Papier oder Holz. Die Grünen wollen nicht, dass hessisches Buchenholz nach China verkauft wird und dass auch Biologen, Geologen und Pädagogen bei Hessen-Forst eingestellt werden.

Präsident von der Tann: "Verbraucher wissen gar nicht, was sich hinter den Zertifizierungen verbirgt und dass FSC auch mit Holz anderer Zertifizierungen oder gar ohne Zertifizierung gemischt werden kann."

Präsident von der Tann: „Verbraucher wissen gar nicht, was sich hinter den Zertifizierungen verbirgt und dass FSC auch mit Holz anderer Zertifizierungen oder gar ohne Zertifizierung gemischt werden kann.“

Die Grünen fordern zur Umsetzung der Biodiversitätsstrategie der Bundesregierung eine Herausnahme aus der Nutzung von im Schnitt 5 Prozent der Waldflächen insgesamt. Dies wollen sie erreichen, durch einen Nutzungsverzicht auf 10 Prozent der Staatsforstfläche in Hessen. Für die Privat- und Kommunalforste solle die Teilnahme freiwillig bleiben.

Frank Sürmann, FDP,bezweifelte ebenfalls die Bedeutung und Zweckmäßigkeit der FSC-Zertifizierung.

Frank Sürmann, FDP: " Die FDP wird dafür sorgen, dass genügend Förster insbesondere auch Referendare ausgebildet werden, so dass auch genügend Nachwuchs für den Privatwald da ist."

Frank Sürmann, FDP: “ Die FDP wird dafür sorgen, dass genügend Förster insbesondere auch Referendare ausgebildet werden, so dass auch genügend Nachwuchs für den Privatwald da ist.“

Sie sei eher gefühlt. Er habe bei einem Verpackungshersteller erfahren, dass in den mit FSC ausgezeichneten Produkten nur 8 Prozent zertifiziertes Holz drin seien, der Rest sei aufgemischt worden. Er hält Hessen nach wie vor attraktiv für Forstleute. Die FDP spricht sich klar für eine Erhöhung des Nadelholzanteils aus. Export und Reimport von Holz und Holzprodukten sind für die FDP normale wirtschaftliche Abläufe wie sie auch in anderen Sektoren praktiziert werden.

 

Heinz Lotz betonte, die SPD unterstütze die Zertifizierung nach FSC, wenngleich er das Problem mit der Aufmischung sehe. Der Staatswald muss bei der Zertifizierung Vorbildcharakter haben. Dies gelte auch im Hinblick auf die Anwendung von Chemie, die er, auch zur Bekämpfung von Borkenkäfern, ablehnt. Lotz betonte hierbei den Unterschied

Die SPD kritisiert, dass nach der Ankündigung des Landes bei Hessen-Forst bis zum Jahr 2025 235 Stellen gestrichen werden sollen.

Heinz Lotz, SPD: „Die SPD kritisiert, dass nach der Ankündigung des Landes bei Hessen-Forst bis zum Jahr 2025 235 Stellen gestrichen werden sollen.“

von Staats- und Privatwald. Lotz monierte, dass die Förster ausschließlich als Angestellte und nicht mehr als Beamte beschäftigt werden. Die Forstverwaltungen anderer Bundesländer seien mittlerweile viel attraktiver für Forstleute.

Einig waren sich die Politiker in der Ablehnung des Verkaufs von Staatswald an Private. Arnold betonte, dass keiner gerne Grund verkaufe, Grundstücks-Veräußerungen zur Arrondierung müssten jedoch möglich sein.

Der Waldbauer und Zimmereiinhaber, Karl Fischer, warf der Grünen-Politikerin vor, Lobbyarbeit für die Stahl- und Betonindustrie zu machen. Denn die jetzt schon knappe Fichte werde noch knapper. „Und mit Buche können Sie keine Dachstühle bauen.“

Der Geschäftsführer des Waldbesitzerverbandes, Christian Raupach, machte deutlich, dass der Anbau von Fichte auch durch eine FSC-Zertifizierung weiter eingeschränkt würde, denn FSC beschränke den Anbau „nicht standortheimischer“ Bäume langfristig auf 20 Prozent der Forstfläche.

Ein unterschiedliches Verständnis von sinnvollen Wirtschaftsabläufen wurde auf dem Podium ebenfalls deutlich. So wandte sich Feldmayer gegen den Export von heimischen Buchen nach China und den nachfolgenden Reimport von Buchenerzeugnisse. Das würde Arbeitsplätze hierzulande vernichten. Sürmann dagegen fragte, wer sonst außer China Buche kaufen solle.

Veröffentlicht unter: Allgemein

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