08.02.2010 | Politik muss Zertifizierungsdiskussion beenden
FSC-Zertifizierung des Staatswaldes würde die Zusammenarbeit kommunaler und privater
Waldbesitzer mit Hessen-Forst gefährden. Forstwirtschaft wird für politische Ränkespiele
instrumentalisiert.
Zur heutigen Pressekonferenz von Bündnis 90/Die Grünen im Hessischen Landtag erklärt der
Hessische Waldbesitzerverband: Eine FSC-Zertifizierung des hessischen Staatswaldes würde die
Zusammenarbeit vieler privater und kommunaler Waldbesitzer mit Hessen-Forst in Frage stellen.
Hessen-Forst bewirtschaftet den 340.000 Hektar großen Staatswald und betreut zugleich über
25.000 private Waldbesitzer und forstwirtschaftliche Zusammenschlüsse sowie 400 kommunale
Forstbetriebe. Das Holz aus diesen betreuten Forstbetrieben wird fast ausschließlich durch
Hessen-Forst mitvermarktet.
87 Prozent der gesamten Waldfläche in Hessen werden nach den Regeln des
Zertifizierungssystems PEFC bewirtschaftet – auch der gesamte Staatswald. „Wir haben uns vor
zehn Jahren gemeinsam mit der staatlichen Forstverwaltung für eine PEFC-Zertifizierung entschieden,
weil auch der kleinparzellierte Privatwald in Gemenglage mit Staats- und Kommunalwald diese
Nachhaltigkeitszertifizierung zu vertretbaren Bedingungen umsetzen kann,“ sagt der Präsident des
Hessischen Waldbesitzerverbandes, Michael Freiherr von der Tann. Die von FSC angebotene
Gruppenzertifizierung stellte damals für diese Waldbesitzstrukturen keine akzeptable Alternative
dar.
Es ist für Hessen–Forst problemlos, das Holz einzelner privater oder kommunaler
Forstbetriebe, die FSC zertifiziert sind, mit zu vermarkten. „Wenn heute der größte Waldbesitzer,
größte Holzanbieter und zugleich größte Dienstleister für private und kommunale Waldbesitzer sein
Holz mit einem zu PEFC konkurrierenden Zertifikat anbieten würde, gäbe es sofort ein ernstes
Vertrauensproblem zwischen den betreuten Waldbauern, den betreuten Kommunen und ihrem
Forstdienstleister Hessen-Forst“. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass dann etliche Kommunen
und private Waldbesitzer zu anderen Dienstleistungsanbietern wechseln. Dann wäre eine erneute
Reform der Hessischen Staatsforstverwaltung unumgänglich und das etablierte Einheitsforstamt, in
dem alle Aufgaben für den Wald gebündelt wahrgenommen werden, in Frage gestellt.
Ökonomisch hätte FSC erhebliche Nachteile für die meisten Forstbetriebe. Denn FSC beschränkt
den Anbau von Baumarten, wie Fichte, Douglasie und Roteiche, in unseren Standortverhältnissen auf
20 Prozent der Fläche eines Walbestandes. Diese Baumarten sind für viele Forstbetriebe eine
wichtige Wirtschaftsgrundlage. Douglasie und Roteiche bieten zugleich eine wichtige waldbauliche
Alternative angesichts veränderter Standortbedingungen durch den Klimawandel.
„Für die Forstwirtschaft in Hessen steht sehr viel auf dem Spiel“, erläutert von der Tann. „Wir
verstehen diese Debatte nicht. Vielmehr gewinnen wir zunehmend den Eindruck, dass es nicht um
Nachhaltigkeit geht, sondern darum, das FSC-Zertifikat durchzudrücken. Die Forstwirtschaft wird für
ein politisches Ränkespiel instrumentalisiert, in dem die Argumente der Fachleute und der
Betroffenen in den Hintergrund gedrängt werden. Wenn in der Diskussion die gravierenden Nachteile
eines solchen Systemwechsels für die Forstwirtschaft insgesamt erkannt werden und sich die ganze
Branche gegen einen politisch gewollten Wechsel zur FSC-Zertifizierung wehrt, muss die Politik den
Mut und die Kraft aufbringen, dieses Thema wieder zu den Akten zu legen. Nachhaltigkeitszertifikate
sind Marketinginstrumente. Welches Nachhaltigkeitszertifikat eingesetzt wird, entscheiden die
Betriebe der Forst- und Holzwirtschaft. Die Politik sollte sich hier heraushalten!“ so von der
Tann.