30.11.2011 | Waldbesitzer bemängeln unschlüssige Umweltpolitik
Im Gespräch mit dem Chef der Hessischen Staatskanzlei, Axel Wintermeyer, hat der Präsident des
Hessischen Waldbesitzerverbandes, Michael Freiherr von der Tann, auf die zunehmenden Belastungen
der Forst- und Holzwirtschaft durch einseitige Auslegung internationaler Umweltrichtlinien
hingewiesen.
„Wenn die Vereinten Nationen Regeln zum Schutz vor dem Klimawandel oder zur Erhaltung der
Biologischen Vielfalt verabschieden, kommen diese zehn Jahre später bei unseren Forstbetrieben an“,
so von der Tann. Auf dem Weg über die Europäische Union, die Bundesregierung und die Hessische
Landesregierung werden diese Regeln meist verfeinert, ergänzt und oft scharf ausgelegt. Aus einer
insgesamt guten Initiative der internationalen Politik kommen so am Ende harte Beschränkungen der
Forstwirtschaft heraus. „Das verstehen die Waldbauern nicht,“ so von der Tann. „Wir wirtschaften
seit Generationen nachhaltig, erzeugen den umweltfreundlichsten Rohstoff der Welt und können jedem
zeigen, wie wir den Wald schützen und pflegen.“ Es könne deshalb nicht sein, dass zur Erhaltung der
biologischen Vielfalt und der Lebensräume erst ein Fünftel der Landesfläche Hessens als
Europäisches Naturschutzgebiet ausgewiesen wird, und dann von der Bundesregierung zusätzlich
gefordert wird, 5 Prozent der Wälder komplett aus der Nutzung zu nehmen. Von der Tann spielte damit
auf die Absicht der Landesregierung an, weitere 3.400 Hektar Staatswald dauerhaft aus der Nutzung
zu nehmen.
Mit unterschiedlichem Maß gemessen
Die drei internationalen umweltpolitischen Ziele - Klimaschutz, Energiewende und Erhaltung
der Biodiversität führten oft zu widersprüchlichen Maßnahmen. In Hessen integriert die
Forstwirtschaft den Artenschutz auf der ganzen Waldfläche in die Bewirtschaftung der Wälder. Hier
stimmen Waldbesitzer und Landesregierung überein. Obwohl die Bundesregierung eine Zunahme der
Artenvielfalt in den bewirtschafteten deutschen Wäldern bescheinigt, wurde der rechtliche Schutz
bedrohter Tier- und Pflanzenarten stark verschärft, Verstöße sind mit strafrechtlichen Konsequenzen
bedroht.
Auch zum Klimaschutz leisten die Waldbesitzer einen erheblichen Beitrag, der durchaus
steigerungsfähig ist. Wälder entziehen der Atmosphäre beim Wachstum das klimaschädliche
Treibhausgas Kohlendioxid. Den Kohlendioxidausstoß der Hessischen Landesverwaltung will die
Landeregierung nun unter anderem durch den Anbau von 2000 Hektar Eukalyptusplantagen in Brasilien
kompensieren. Es leuchtet ein, dass die Landesregierung die schnelle Holzproduktion zur Speicherung
von Kohlenstoff nutzen will. Es bleibt jedoch unverständlich, warum die Landesregierung in
Brasilien aus Klimaschutzgründen die intensivste Form der Monokultur-Forstwirtschaft betreiben will
und dabei den Artenschutz vernachlässigt, während in Hessen zugleich aus Arten- und
Biotopschutzgründen Wald nicht mehr genutzt werden soll. Mehr Kohlendioxid würde auch durch
intensivere Forstwirtschaft in hessischen Wäldern gespeichert werden.
Auch um die Energiewende zu schaffen, müssen nachhaltig nachwachsende Rohstoffe, wie Holz, viel
stärker verwendet werden. Die beabsichtigte Stilllegung von Waldflächen und die zunehmenden
Beschränkungen der Forstwirtschaft stehen dazu im Widerspruch. „Die Bundesregierung kann keine
Waldflächen aus der Nutzung nehmen, sondern nur die Länder. Wir halten diese Strategie für
einseitig und sehen erhebliche negative Konsequenzen für den Klimaschutz, die angestrebte
Energiewende sowie Arbeit und Wertschöpfung in den ländlichen Räumen, sagte von der Tann. „Hier
brauchen wir ein klares Signal der Landespolitik.“