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Die Lage im Wald ist dramatisch

Der Hessische Waldbesitzerverband hat am Freitag, dem 16. August, in der Landespressekonferenz Wiesbaden einen Lagebericht zum Zustand der Wälder in Hessen und der Situation der hessischen Privat- und Kommunalforstbetriebe gegeben. „Der zweite Sommer in Folge ist geprägt von Dürre und Hitzewellen,“ sagt Waldbesitzerpräsident Michael Freiherr von der Tann. „Die Regenschauer der letzten Tage haben kaum die oberen Zentimeter des Waldbodens befeuchtet. Bis in 1,80 Meter Bodentiefe haben wir nur 40 % Bodenfeuchte im Vergleich zu normalen Jahren.“ Die Bäume leiden noch mehr als im letzten Jahr unter der Trockenheit und sind wehrlos gegen Schadinsekten und Pilze.

Das größte Problem stellt derzeit die massenhafte Vermehrung der Fichtenborkenkäfer dar. Aktuelle Erhebungen des Hessischen Waldbesitzerverbandes im Privat- und Kommunalwald in Hessen ergeben, dass schon jetzt rund 2,4 Mio. Festmeter Schadholz angefallen und geerntet sind. 90 % davon sind durch Dürre und Borkenkäfer geschädigte Fichten. Den Befragungsergebnissen zufolge könnte sich die Menge an Schadholz bis zum Jahresende auf 3,8 Mio Festmeter allein im hessischen Kommunal- und Privatwald erhöhen. Das entspricht einem ganzen Jahreseinschlag.

Nach den bisherigen Erhebungen dürften im Kommunal- und Privatwald in Hessen etwa 9.000 Hektar Kahlfläche entstehen. Das entspricht der Fläche von etwa 13.000 Fußballfeldern. Ein großer Teil dieser Flächen muss in den nächsten Jahren neu mit Wald bepflanzt werden, weil die Flächen nicht durch natürliche Aussaat der Bäume wieder zu Wald werden, sondern versteppen. Der wirtschaftliche Schaden in den Privat- und Kommunalwäldern in Hessen durch die Folgen der trockenheißen Witterung und des Schädlingsbefalls allein in diesem Jahr dürfte bei 450 bis 500 Millionen Euro liegen.

Die wirtschaftliche Situation der Forstbetriebe ist dramatisch. Viele der privaten Forstbetriebe sind zahlungsunfähig, denn sie haben hohe Kosten für die Ernte der vom Borkenkäfer befallenen Bäume, können dieses Holz jedoch nicht mehr gewinnbringend am Markt absetzen. Erhebliche Mengen dieses Holzes können von der holzverarbeitenden Industrie derzeit überhaupt nicht abgenommen werden. Es ist auch nicht absehbar, ob dieses Holz zu einem späteren Zeitpunkt überhaupt vermarktet werden kann.

Holzeinschlagsunternehmer verlangen zunehmend Vorkasse, bevor sie das Schadholz in den Privatholzbetrieben aufarbeiten, um nicht hinterher auf unbezahlten Rechnungen sitzen zu bleiben. Für die Waldeigentümer stellt sich dann die Frage, ob und wie lange sie in der Lage sind, die Kosten der Holzernte aus Rücklagen vorzufinanzieren oder ob sie für die Ernte der vom Käfer befallenen Bäume Kredite aufnehmen. Der Hessische Waldbesitzerverband warnt ausdrücklich davor, die Aufarbeitung von Schadholz im Privatwald durch Kredite zu finanzieren, denn es ist völlig unklar, ob das geerntete Holz jemals gewinnbringend verkauft werden kann, so dass die Kredite aus den Erträgen des Waldes zurückgezahlt werden können. Es ist nicht damit zu rechnen, dass die Borkenkäfermassenvermehrung in diesem Jahr gestoppt werden kann. Es ist eher wahrscheinlich, dass auch im folgenden Frühjahr wieder mit Mengen von Schadholz zu rechnen ist.  

Die Situation der Forstbetriebe ist prekär. Die Eigentümer kleiner Waldparzellen verlieren ihren Wald zum Teil vollständig und müssen die Wiederaufforstung aus eigenen Ersparnissen finanzieren. Für die Eigentümer mittelgroßer und sehr großer Privatforstbetriebe, die ihr Familieneinkommen zu erheblichen Teilen aus den Erträgen des Waldes decken, ist die Situation zum Teil existenzbedrohend. Manche Betriebe haben mehrere hundert Hektar Waldfläche wieder aufzuforsten. Diese Millionen schwere Investitionen können von den Familien nicht geleistet werden, weil die Rücklagen dafür aufgebraucht sind. In den kommenden Jahrzehnten werden von den unfreiwillig kahl geschlagenen Waldflächen keine Erträge zu beziehen sein, so dass der Reinertrag der stark betroffenen Betriebe in den kommenden Jahren drastisch sinken wird. Waldbesitzende ländliche Kommunen, vor allem mit kleineren Einwohnerzahlen und großen Forstbetrieben werden durch die wegbrechenden Erträge aus ihrem Wald in die roten Zahlen getrieben. Ihnen bleibt nur die Möglichkeit, kommunale Steuern anzuheben.

Der Hessische Waldbesitzerverband fordert, dass die Bundesregierung und die Hessische Landesregierung ihre Rechtspflicht nach § 41 des Bundeswaldgesetzes erfüllen und die Waldbesitzer mit den Mitteln der Steuerpolitik, der Finanz-, Wirtschafts-, Verkehrs- und Sozialpolitik in die Lage versetzen, Ihren Wald zu erhalten und zu angemessenen Bedingungen nachhaltig zu bewirtschaften.

Der Hessische Waldbesitzerverband fordert:

  1. Die Hessischen Waldbesitzer und Kommunen brauchen kurzfristige verlorene Zuschüsse in Höhe von 25 – 30 Millionen Euro in diesem Jahr, damit sie weiter gegen die Borkenkäferkatastrophe kämpfen können. Mit einem Zuschuss von 10 Euro pro Festmeter Schadholz rückwirkend ab dem 1. Januar 2019 bekämen viele Betriebe liquide Mittel, um weiter machen zu können.
  2. Die Förderung der Forstbetriebe muss pragmatisch und einfach abgewickelt werden. Alle betroffenen Waldbesitzer müssen gleichermaßen daran teilhaben können. Der Entwurf eines Förderprogrammes der Umweltministerin enthält die sogenannte DeMinimis Klausel. Danach können Forstbetriebe innerhalb von 3 Jahren maximal 200.000 Euro Fördergeld bekommen. Die am schwersten betroffenen Forstbetriebe haben aber jetzt schon Schäden zwischen 10 und 15 Millionen Euro zu verkraften. Es darf nicht passieren, dass die am schwersten vom Klimawandel betroffenen Betriebe am Ende keine Fördergelder beantragen können.
  3. Die Bundesregierung und die Hessische Landesregierung sind aufgefordert, ein mehrjähriges Aufforstungsprogramm für den Kommunal- und Privatwald in Hessen in Höhe von 100 Millionen Euro über vier Jahre aufzulegen. Das für die Wiederaufforstung der entstandenen Kahlflächen benötigte Geld konnten die Waldeigentümer durch die zusammengebrochenen Holzmärkte nicht verdienen. Es ist nach dem Aufräumen die wichtigste Aufgabe, die Flächen wieder ins Wachstum zu bringen mit Baumarten, die besser mit dem Klimawandel zurecht kommen. Bei der Förderung müssen ideologische Scheuklappen abgesetzt werden. Heimische Baumarten, wie Ahorn und Esche können nicht angepflanzt werden, weil sie so stark von Pilzkrankheiten befallen sind, dass sie auf lange Sicht keine Überlebenschance haben. Deshalb muss auch der Anbau von Baumarten, wie Douglasie, Roteiche und Küstentanne gefördert werden. Es geht darum, den Wald zu erhalten und nicht darum, den Waldbesitzern Bedingungen des Naturschutzes überzustülpen.
  1. Ein gut und langfristig aus Steuermitteln finanziertes Forschungsprogramm ist die Voraussetzung, um die richtigen Baumarten und die richtigen Herkünfte dieser Baumarten zu finden, mit denen klimaanpassungsfähige Wälder aufgebaut werden können.
  2. Die Forstbetriebe müssen neue Ertragsmöglichkeiten erhalten. Der Waldeigentümer muss für jede Tonne CO2, die der Wald der Atmosphäre entzieht, bezahlt werden.
  3. Die Kosten der Verkehrssicherungspflicht für Waldränder an öffentlichen Straßen und Schienen sind vom Baulastträger der Straße oder Schiene zu tragen.
  4. HessenForst muss mehr Forstpersonal bekommen, das die Waldbesitzer unterstützt. Die Förster sind an der Grenze der Belastbarkeit anngelangt. Viele resignieren, viele Waldbauern und Förster kapitulieren vor der Situation.
  5. Die Wildbestände müssen deutlich abgesenkt werden. Wir fordern die Jäger in Hessen auf, ihre Aufgabe zu erfüllen und die Bestände von Rehen und Hirschen anzupassen. Sonst haben die jungen Wälder keine Chance.

Veröffentlicht unter: Allgemein

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